Herbsttag
Kann es denn Herbst werden,
ohne das wunderbare Gedicht von Rainer Maria Rilke?
Ich finde: Nein
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Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
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Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
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Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
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Rilke hat dieses Gedicht im Jahr 1902 geschrieben,
in einer sehr tristen Phase.
Das Familienstipendium verloren,
ohne festen Wohnsitz und ohne Familie.
Das Naturgeschehen, der Herbst,
entspricht der göttlichen Ordnung, seine
Lebensplanung aber so gar nicht.
Authentisch und melancholisch, eben Rilke!
Elisabetta1 - 25. Sep, 22:39
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